Bevölkerungsangaben
Südafrika hat etwa 50 Millionen Einwohner, woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 41 Einwohner pro Quadratkilometer ergibt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt in den Ballungsräumen Johannesburg, Kapstadt, Durban, Pretoria, Port Elizabeth, Bloemfontein, East London und Pietermaritzburg.
Die südafrikanische Statistik unterscheidet zwischen Schwarzen (grösste ethnische Gruppe, fast ausschliesslich Bantuvölker), Weissen (hauptsächlich Nachkommen früherer Siedler, d.h. vor allem niederländischen, britischen, französischen und deutschen Ursprungs), Mischlingen (auch als Farbige oder Coloureds bezeichnet, entstammen aus Verbindungen von mehreren ethnischen Gruppen, auch die sog. Kamalaien zählen hierzu) und Asiaten (hauptsächlich Nachkommen von Indern, die 1860 zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen von Natal kamen). Von den Einwohnern Südafrikas sind ca. 76% Schwarze, 13% Weisse, 8% Mischlinge und 3% Aisaten. Im April 1994 wurden neben Englisch und Afrikaans auch die neun Bantusprachen Zulu, Xhosa, Tswana, Nordsotho, Südsotho, Tsonga, Swati, Ndebele und Venda zu offiziellen Amtssprachen erklärt.
Es gibt wohl nirgendwo auf der Welt einen Staat ähnlicher Grösse, in dem so viele verschiedene Völker ganz unterschiedlicher Kulturen zusammenleben. Denn auch die schwarze Bevölkerung repräsentiert nicht etwa eine einzelne homogene ethnische Gruppierung, sondern eine Vielfalt verschiedener Völker. Jedes dieser Völker hat seine eigene kulturelle Identität sowie sein eigenes historisches Ursprungsgebiet.
Die Schwarzafrikaner gehören neun Bantu- Volksgruppen an: den Zulu, den Xhosa, den Tswana, den Venda, den Sotho, den Ndebele, den Tsonga, den Swasi und den Pedi. Die Zulu, als grösste dieser Volksgruppen, stellen etwa 20% der Gesamtbevölkerung. Die Xhosa sind die zweitstärkste schwarze Bevölkerungsgruppe. Die Weissen stammen überwiegend von niederländischer, britischen und französisch - hugenottischen Siedlern ab. Die Einwohner holländischer Abstammung bezeichnen sich selbst als Afrikaaner oder Buren und stellen etwa 60% der weissen Bevölkerung. Die Bevölkerung gemischter Herkunft lebt hauptsächlich in den Kapprovinzen und stammt vorwiegend von Schwarzen und Buren ab. Die Asiaten sind überwiegend indischer Abstammung und am zahlreichsten in KwaZulu/Natal vertreten. In der Kapprovinz wohnt eine kleine Zahl von Menschen malaiischer Herkunft.
Kultur
Südafrika ist eine Mischung aus Afrika, Asien und Europa, aus Tradition und Moderne. Die bunt gemischte Bevölkerung des Landes lebt in den ländlichen Siedlungen teilweise noch in traditionellen Häusern, z.B. in KwaZulu- Natal. Die Städte spiegeln europäischen (Kapstadt) oder indischen Einfluss (Durban) wider. In den zahlreichen Museen oder Cultural Villages werden den Besuchern die mannigfaltigen Kulturen nahe gebracht, die sich über die Jahrhunderte hier gegenseitig beeinflusst haben. Neben modernen Hochhäusern wie in der Wirtschaftsmetropole Johannesburg, gibt es, vor allem am Rand der grössten Stadt, viele ärmliche Slums mit Wellblechhütten in denen die Menschen unter einfachsten Bedingungen zurechtkommen müssen. Südafrika hat also zwei Facetten: Industrienation und Entwicklungsland.
Durch die strikte Rassentrennung in Südafrika hat sich auch die Kultur in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Während unter Weissen die englische Kultur den grössten Einfluss ausübte, unterschieden sich beim schwarzen Bevölkerungsteil städtische und ländliche Kultur immens. In den Städten spielten internationale Einflüsse eine Rolle, z.B. durch die Afroamerikaner. Die traditionelle Kultur der Scharzen und der Afrikaaner ist in den ländlichen Gebieten am stärksten ausgeprägt.
Die Zensur im Apartheidregime und die Beseitigung von Regimekritikern verursachte nach 1950 eine regelrechte Fluchtwelle von Künstlern und Intellektuellen, die das kulturelle Leben stark reduzierte. Die Rückbesinnung auf die eigene afrikanische kulturelle Identität gewinnt heute unter dem Stichwort African Renaissance immer mehr an Einfluss. Besonders innerhalb der Gemeinschaft der Farbigen hat sich ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, das in der Literatur, im Theater und in der Musik Ausdruck findet. Die überzeugung, dass der politisch angestrebte Transformationsprozess der Gesellschaft auch im kulturellen Bereich stattfinden muss, führte zum Beginn der Reformierung und Umstrukturierung staatlicher Kulturinstitutionen. Ziele sind dabei die Beseitigung von Strukturen aus der ära der Apartheid und die Stärkung der Regionen bei der Kulturförderung. Kulturprojekte, die die afrikanische Identität betonen, bekommen besondere Aufmerksamkeit.
Zu den markanten Kulturleistungen der indigenen Bevölkerung gehören die Felsmalereien der Buschmänner, die Jahrtausende zurückreichen und von denen bisher insgesamt mehr als 15'000 entdeckt wurden. Die grossflächigen, zweidimensionalen Abbildungen von Tieren, die mit Erdfarben gemalt wurden, gelten als Ausdruck von Jagdmagie. Sie bilden die mythologische Vorstellungswelt der Jäger und Sammler ab, die bis vor etwa 2000 Jahren das Territorium allein besiedelten. Spätere Werke spiegeln auch das Eindringen der Kolonialisten wider, z.B. in Abbildungen von Schiffen, weissen Soldaten und Tieren, die vorher in der Region nicht verbreitet waren.
Traditionell spielen Musik und Tanz in der Regel im religiös- spirituellen Leben und zur Kommunikation eine wichtige Rolle im Alltagsleben der afrikanischen Völker. Der Tänzer übernimmt auch die Rolle eines Geschichtenerzählers. Traditionell kreisen die Themen um Jagd, Lebensart und Fruchtbarkeit. Oft lässt sich an diesen Ausdrucksformen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie ablesen.
Robben Island, die Fossilienfundstätten von Sterkfontein, Swartkrans, Kromdraai und Umgebung, der Greater St. Lucia Wetland Park und der uKhahlamba/ Drakensberg Park wurden von der UNESCO 1999 bzw. 2000 zum Weltkultur- bzw. -naturerbe ernannt.
Bildung
Das Vermächtnis der Apartheid tritt in Südafrika überaus deutlich im Erziehungssektor zutage, obwohl die Regierung die Ausgaben für die Ausbildung der Schwarzen seit Mitte der achtziger Jahre wesentlich erhöht hat. Weniger als 50% der schwarzen Bevölkerung können lesen und schreiben, wohingegen 100% der Weissen dazu in der Lage sind. Im April 1994 wurden die staatlichen Schulen für alle Kinder geöffnet. Ein einziges, einheitliches und nichtrassenorientiertes Erziehungssystem sowie die allgemeine Schulpflicht für Schüler von 7-16 Jahren wurden eingeführt. 1997 wurde mit dem Higher Education Act die Transformation des Universitäts- und Fachhochschulwesens eingeleitet. Der so genannte Standart 10 Abschluss umfasst ein Schulzeit von 12 Jahren und qualifiziert für das Hochschulstudium. Seit Aufhebung der Rassentrennung hat sich der Anteil der schwarzen Studenten an den 20 Universitäten erheblich erhöht.
Religion
Etwa 68% der Südafrikaner sind Christen. 28,5% gehören Traditionellen unabhängigen Kirchen an. Die unabhängigen Kirchen vereinen Elemente des Christentums mit denen traditioneller afrikanischer Religionen.. Der Rest verteilt sich auf weitere Glaubensgemeinschaften. Die Asiaten sind überwiegend Hindus oder Moslems. Ausserdem gibt es in Südafrika eine jüdische Gemeinde mit etwa 120 000 Gläubigen.
Sprachen
Seit April 1994 sind neben Englisch und Afrikaans auch die neun Bantusprachen Zulu, Xhosa, Tswana, Nordsotho, Südsotho, Tsonga, Swati, Ndebele und Venda zu offiziellen Amtssprachen erhoben worden. In den Städten wird vorwiegend Englisch gesprochen. Afrikaans ist aus dem Niederländischen des 17. Jahrhunderts entstanden und wurde von den Buren niederländischer Abstammung entwickelt. Es ist die Muttersprache von 60 % der weissen Bevölkerung und den Mischlingen in der Kapregion. Der übrige Teil der weissen Bevölkerung spricht Englisch. Die meisten Schwarzen verwenden eine der oben genannten Bantusprachen, beherrschen jedoch häufig auch Englisch bzw. Afrikaans. Es gibt sehr viele Personen, die in der Lage sind alle 11 Sprachen fließend zu sprechen.
Umgangsformen
Aufgrund der ethnischen Vielfalt werden in Südafrika viele verschiedene Begrüssungsformeln verwendet. Englisch sprechende Südafrikaner sagen «Hello« und «Good morning« was von den meisten anderen auch verstanden wird. Afrikaander benutzen «Goeie more«. Zulus und Swasi grüssen einander «Sakubona«, was wörtlich «Ich sehe dich« bedeutet. Ferner ist «Kunjani« («Wie geht es dir/Ihnen?«) gebräuchlich. Auf Sakubona wird mit «Yebo« (Ja) geantwortet und auf Kunjani mit «Sikhona« oder «Sisaphila«. «Molo«, die Grussformel der Xhosa, und «Dumela« der Sotho und Tswana haben alle ähnliche Bedeutung. Alle Südafrikaner schütteln sich die Hände bei der Begrüssung. Viele Menschen auf dem Lande benutzen sogar beide Hände.
Ebenfalls sehr üblich ist in dieser Reihenfolge folgender Gruss: Aufeinandertreffen der Handflächen, ein einhacken mit den Fingerspitzen und anschliessend wird mit einer speziellen Technik ein Schnippen mit den Daumen erzeugt. In allen Bevölkerungsgruppen können sich enge Freunde und Verwandte umarmen. Generell gilt es als unhöflich, Fremde und ältere Menschen mit dem Vornamen anzusprechen. Für Erwachsene wird eine Anrede benutzt, wenn man sie nicht näher kennt. Es zeugt von Respekt, einen älteren Schwarzafrikaner «Vater« zu nennen, was «Tata« auf Xhosa, «Ntate« auf Sotho oder «Baba« auf Zulu heisst. Eine ältere schwarze Frau wird mit «Mama« auf Xhosa sowie Zulu und «Mme« auf Sotho angesprochen. Normalerweise wird Besuch angekündigt, doch unter guten Freunden und Verwandten findet dies gewöhnlich auch unangemeldet statt. Es wird meistens nicht erwartet, dass Gäste zum Abendessen ein Geschenk mitbringen, doch sollte dies der Fall sein, wird es gerne angenommen.

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