Geschichte, Verwaltung und Politik, Wirtschaft Südafrikas

Urbevölkerung

Um 6000 v.Chr. lebten im Landesinneren des heutigen Südafrika kleine Gruppen der San. Diese waren kleinwüchsige Buschmänner (Pygmäen), die ausschliesslich als Sammler und Jäger lebten. Ab 300 v.Chr. liessen sich die Khoikhoi (Hottentotten) nach einer jahrhunderte langen Wanderung von Nord- über Mittel- bis nach Südafrika in dem Gebiet nieder. Seit 1000 n.Chr. betrieben verschiedene aus Zentralafrika eingewanderte Bantu sprechende Völker (Zulu, Sotho, Tswana, Xhosa u.s.w.) Rinderzucht und in fruchtbaren Gegenden auch Feldwirtschaft.

Euopäische Besiedlung

Bei dem Versuch, Indien über das Wasser zu erreichen, entdeckte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz 1488 als erster Europäer das Kap der Guten Hoffnung. Eine Besiedlung erfolgte aber erst ab 1652, als Jan van Riebeeck im Auftrag der holländischen Ostindienkompanie am Kap eine Verpflegungsstation für Schiffe auf dem Weg nach Indien gründete. Die eigentlich Kolonialisierung Südafrikas begann ab 1657 durch Niederländer, Deutsche und Franzosen, die die Buschleute und Hottentotten entweder aus den fruchtbaren Gebieten vertrieben oder zur Arbeit auf ihren Feldern versklavten. Gleichzeitig begann der Import von Sklaven aus Nordwestafrika und Asien. Die Nachkommen der europäischen Siedler in Südafrika nannten sich `Afrikaaner` und entwickelten rasch eine eigene charakteristische Kultur und Sprache. 1779 begannen die Siedler mit der Eroberung von Xhosa- Land. 80 Jahre später hatten die Weissen nach den neun `Kaffernkriegen` das Land erobert und das Volk der Xhosa erheblich dezimiert.

1814 wurde die Kapkolonie von den Engländern annektiert. In den nächsten fünf Jahren kamen rund 5000 britische Siedler. Wegen der liberalen Politik der Briten kam es zu Auseinandersetzungen mit den Buren. Diese zogen sich vermehrt im `Grossen Treck` ins Hinterland zurück, wo sie die Burenrepubliken ´Natal 1893´, ´Oranje-Freistaat 1854´ und ´Transval 1860´ gründeten. Natal wurde bereits 1843 von den Briten annektiert und 1856 offiziell britische Kronkolonie. Die Unterbringung der im Land verbliebenen Zulu in zahlreichen kleinen Reservaten ist der eigentliche Beginn der Rassentrennungspolitik in Südafrika. Ab 1860 wurden billige Arbeitskräfte vor allem aus Indien für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen ins Land geholt.

Nach zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Briten und Buren sowie zwischen Briten und Zulus brach 1899 der offene Burenkrieg aus. Dies nicht zuletzt wegen der Entdeckung reicher Gold- und Diamantenfelder. 1902 endete er mit dem Frieden von 'Vereeniging' (Vereinigung). Die zahlenmässig unterlegenen Buren mussten die Umwandlung ihrer Republiken in britische Kronkolonien akzeptieren.

1907 wurden die Republiken Oranje-Freistaat und Transvaal jedoch wieder in burische Selbstverwaltung entlassen. Nach dem Friedensschluss zwischen Buren und Briten 1910 wurde die ´Südafrikanische Union´, bestehend aus den bisherigen Teilgebieten Kapland, Oranje-Freistaat, Transvaal und Natal, gegründet. Diesem neuen Gebilde wurde der Status eines britischen Dominions und damit die Selbstständigkeit verliehen. Aufgrund der Kritik der UNO und des Commonwealth hinsichtlich der Apartheidpolitik trat Südafrika am 31.Mai 1961 aus dem Commonwealth aus und rief nach einer Volksabstimmung die Republik aus.

Apartheid (Rassentrennung) in Südafrika

Bereits 1894 machte sich Mahatma Gandhi für die Rechte der zahlreichen indischen Einwanderer stark, die durch diskriminierende Rassengesetze benachteiligt wurden. Die südafrikanische Regierung machte zwar 1914 einige Zugeständnisse, dennoch blieben die Inder in Südafrika Bürger zweiter Klasse.

1911 wurden durch die Regierung der Südafrikanischen Union zahlreiche Gesetze erlassen, die den Weissen die politische, soziale und wirtschaftliche Herrschaft über alle nicht weissen Bevölkerungsgruppen sichern sollte. Zum Beispiel durften Schwarze ausserhalb der Reservate kein Land mehr kaufen und den Schwarzen (etwa 80% der Bevölkerung) wurden lediglich 14% des Territoriums zugestanden. Ausserdem wurden alle Nichtweissen von qualifizierter Arbeit ausgeschlossen.

1912 versuchten die Schwarzen sich gegen die Diskriminierung zu wehren, indem sie den `African National Congress` (ANC) gründeten. Wenig später rief der indische Rechtsanwalt Mahatma Gandhi seine Landsleute zum gewaltlosen Widerstand gegen die rassen-diskriminierenden Gesetze auf und gründete den ´South African Indian Congress´ (SAIC).

In den folgenden Jahren wurden die Apartheidsgesetze drastisch verschärft: Rassisch getrennte Wohngebiete, Verbot sexueller Beziehung zwischen Schwarzen und Weissen, usw.

Ab 1948, unter der Regierungsführung des Buren Daniel François Malan, wurde durch die Apartheidpolitik die Situation der Nichtweissen noch verschlimmert. Die absolute wirtschaftliche, politische, räumliche und soziale Trennung der Rassen zugunsten der Weissen sollte die ´weisse Identität erhalten´. Der ´Population Registration Act´ und der ´Group Areas Act´ ordnete jeden Südafrikaner den ´Rassen´ Weisse, Schwarze, Coloureds (Farbige, Mischlinge) oder Asiaten zu. Die Bewegungsfreiheit aller Nichtweissen wurde drastisch eingeschränkt und Zwangsumsiedlungen in sog. Homelands vorgenommen. Etwa die Hälfte der schwarzen Bevölkerung Südafrikas lebte in Homelelands, die die 14% des den Schwarzen zugestandenen Staatsgebiets einnahmen. Die Homelands erhielten zwar ein gewisses Mass an Selbstverwaltung, waren aber trotzdem völlig von der weissen Zentralregierung in Pretoria abhängig und zudem wirtschaftlich nicht lebensfähig.

Die Aktionen der schwarzen Protestbewegungen ANC und SAIC verliefen jahrelang friedlich - und erfolglos. Mit der Verschärfung der Gesetze nahmen die Aktivitäten Anfang der 50er Jahre zu. Die zunächst passive ´Ungehorsamkeitskampagne´ der Widerstandsgruppen wurde von der Regierung mit Gewalt unterdrückt. Daraufhin kam es zu blutigen Unruhen mit zahlreichen Toten. 1960 wurden die Führer der Widerstandsgruppen PAC (Pan- African- Congress) und ANC mit Nelson Rolihlahla Mandela, Albert Luthuli, Walter Sisulu, Robert Sobukwe und anderen verhaftet und 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Widerstand der schwarzen Bevölkerung verstärkte sich und 1976 kam es zu blutigen Unruhen in Soweto und anderen südafrikanischen Grossstädten mit Hunderten von Toten. 1977 wurden nach weiteren Unruhen die 18 wichtigsten südafrikanischen politischen Oppositionsorganisationen verboten. Im gleichen Jahr verhängte die UNO wegen dauernder Übergriffe auf die Nachbarländer ein internationales Waffenembargo gegen Südafrika - das erste bindende Embargo gegen ein UN-Mitglied. Am 9. Juni 1983 wollte die südafrikanische Regierung mit der Hinrichtung von drei ANC Mitgliedern, die wegen ihrer Teilnahme an Anschlägen auf Polizisten in Soweto 1982 verhaftet wurden, ein Exempel statuieren. Auch internationale Proteste konnten die Vollstreckung der Urteile in Johannesburg nicht verhindern.

1984 trat eine neue Verfassung in Südafrika in Kraft, die aber die schwarze Mehrheit (etwa 22 Millionen) weiterhin nicht zur Wahl berechtigte und von der Regierung ausschloss. Das gewählte Parlament bestand nun aus drei `Blöcken`(Weisse, Mischlinge und Inder). Den 166 Abgeordneten der etwa 4,5 Millionen Weissen standen in den beiden Kammern 80 Abgeordnete der etwa 2,7 Millionen Farbigen und 40 der rund 850'000 Bürger indischer Abstammung gegenüber. Pieter Willem Botha wurde zum ersten südafrikanischen Staatspräsidenten mit Exekutivgewalt gewählt, d.h. er war Staatsoberhaupt und Regierungschef in einer Person.

Ende der Apartheid in Südafrika

In den folgenden Jahren spitzte sich die Lage in Südafrika weiter zu. Es kam immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen und zahlreiche westliche Länder verhängten 1986 ein Wirtschaftsembargo gegen Südafrika. Aufgrund der Handelssanktionen ging es fortan mit der Wirtschaft Südafrikas bergab. Am 15. August 1989 wurde Frederik Willem de Klerk südafrikanisches Staatsoberhaupt. Am 2. Februar 1990 hielt er eine Rede zur Eröffnung des Parlaments und verkündete darin das Ende der Apartheidspolitik. Zahlreiche der verbotenen Oppositionsorganisationen wurden legalisiert und der inhaftierte ANC-Führer Nelson Mandela wurde freigelassen. Bis Mitte 1991 folgten über 1000 weitere politische Gefangene. Mandela verkörpert weltweit den südafrikanischen Befreiungskampf. Die wichtigsten Eckpfeiler der Apartheidsgesetze wurden aufgehoben und das allgemeine Wahlrecht wieder eingeführt.

Ursache für diese innenpolitische Wende war einerseits die demografische Entwicklung. Durch geringe Zunahme der weissen Bevölkerung, den aufgeblähten Apparat der Apartheidbürokratie sowie den steigenden Bedarf in der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften wurden zunehmend Schwarze für qualifizierte Berufe rekrutiert und ausgebildet. Unter diesen Schwarzen mit Ausbildung wuchs der Unmut über die politische Bevormundung. Anderseits zeigte das Wirtschaftsembargo seine Wirkung. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, waren Investoren aus dem Ausland nötig. Diese hielten sich aber aufgrund der instabilen politischen Lage zurück.

1992 wurde die Verfassung von 1984 abgeändert. Dabei erhielt die schwarze Bevölkerung erstmals das Recht, sich an einer Regierung zu beteiligen. Ende 1993 unterzeichneten der ANC, die NP und 17 weitere kleine Parteien den Entwurf einer Übergangsverfassung für Südafrika. Im selben Jahr erhielten Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela für ihre Verdienste um die Abschaffung der Rassentrennung und den innenpolitischen Frieden in Südafrika den Friedensnobelpreis. Im Januar 2000 verabschiedete das Parlament in Kapstadt ein Gleichheitsgesetz, das jegliche rassische Diskriminierung unter Strafe stellt. Zudem sollten künftig schwarze Unternehmer bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden.

Verwaltung und Politik

Am 27. April 1994 wurden in Südafrika erstmals demokratische Wahlen durchgeführt, an denen alle Bevölkerungsgruppen teilnehmen durften. Der African National Congress (ANC) mit Nelson Mandela an der Spitze gewann mit 62,6 % der Stimmen und 252 der insgesamt 400 Abgeordnetenmandate. Am 10. Mai 1994 wurde Nelson Mandela als erster schwarzer Präsident vereidigt. Er gelobte feierlich: «Nie, nie und nie wieder soll dieses schöne Land Unterdrückung des Einen durch den Anderen erfahren«.

Das neue Südafrika erhielt mit diesem Tag nicht nur eine neue Staatsflagge, sondern auch eine neue politische Strukturierung. Die vier alten Provinzen (Kap-Provinz, Oranje-Freistaat, Natal, Transvaal) und die sechs autonomen Homelands wurden aufgelöst. Die vier selbstständigen Staaten innerhalb von Südafrika (Bophuthatswana, Transkei, Ciskei und Venda) wurden ebenfalls aufgelöst und die Einwohner dieser Länder erhielten wieder die südafrikanische Staatsbürgerschaft.

Administrativ ist die Republik Südafrika in 9 Provinzen gegliedert: Western Cape, Northern Cape, Eastern Cape, Free State, North- West Province, Limpopo, Gauteng, Mpumalanga und KwaZulu-Natal. Jeder Provinz steht ein Premier vor, der vom jeweiligen Provinzparlament gewählt wird. Der Premier ist Vorsitzender eines zehnköpfigen Exekutivrats. Die Provinzparlamente haben erhebliche Macht und Verantwortlichkeit, wozu auch die Ausarbeitung von Provinzverfassungen gehört.

Nach der neuen Verfassung, die 1997 die Übergangsverfassung von 1994 ablöste, ist Südafrika eine parlamentarische Republik mit präsidialem Regierungssystem. Die Verfassung betont die Grundrechte und schreibt die Gewaltenteilung sowie das Mehrparteiensystem vor. Es herrscht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren.

Das Staatsoberhaupt der Republik Südafrika ist der auf 5 Jahre von der Nationalversammlung gewählte Präsident. Stellvertreter ist ein ebenfalls vom Parlament gewählter Vizepräsident. Beide verfügen über weitgehende Machtbefugnisse, die jedoch durch etliche Kontrollmechanismen begrenzt werden.

Das Parlament besteht aus zwei Kammern: Die Nationalversammlung mit 350-400 direkt gewählten Abgeordneten und der Nationalrat der Provinzen, dessen Mitglieder(10 aus jeder Provinz) von den 9 Provinzparlamenten entsandt werden. Die Amtszeit der Parlamentarier beider Kammern beträgt fünf Jahre.

Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof in Bloemfontein. Über Verfassungsfragen entscheidet das Verfassungsgericht. Dieses besteht aus einem Präsidenten und zehn Richtern, die vom Kabinett aus einer Liste ausgewählt wurden, die eine unabhängige Ernennungskommission aufgestellt hat. Das Verfassungsgericht prüft die Verfassungsmässigkeit aller Gesetze.

Wirtschaft Südafrika

Südafrika verfügt im internationalen Vergleich über den grössten und vielfältigsten Reichtum an Bodenschätzen. Diese bilden noch immer das Rückgrat der südafrikanischen Wirtschaft, obwohl der Anteil des Bergbaus am Bruttosozialprodukt (BSP) gefallen ist. Das Land ist einer der weltgrössten Goldlieferanten und fördert reichlich Uran, Diamanten, Platin, Eisen, Vanadium, Mangan, Chrom, Kupfer, Asbest und Steinkohle. Die verarbeitende Industrie erwirtschaftet momentan den grössten Teil des BSP. Auch der südafrikanische Banken- und Dienstleistungssektor kann durchaus einem internatonalen Vergleich standhalten. Aufgrund der landschaftlichen Schönheit und Vielfalt boomt der Tourismus seit einigen Jahren und zählt zu den am stärksten wachsenden Sektoren der südafrikanischen Wirtschaft.

Seit mit dem Ende der Apartheid die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Südafrika aufgehoben wurden, verzeichnete das Land wieder wirtschaftliches Wachstum. Auf dem afrikanischen Kontinent ist das Land bezogen auf die Industrialisierung führend. 1993 waren 38% der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt, 48% in der Industrie und 14% in der Landwirtschaft. Obwohl die landwirtschaftliche Nutzung der Böden aufgrund von Trockenheit nur begrenzt möglich ist, kann sich Südafrika weitgehend selbst mit Nahrungsmitteln versorgen. 85% der Nutzfläche dienen der Haltung von Vieh, insbesondere Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine und Geflügel. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Mais, Weizen, Mohrenhirse, Weintrauben, Kartoffeln, Zitrusfrüchte, Äpfel, Kaffee und Tabak. Die Fischerei dient sowohl dem Binnenmarkt als auch dem Export. Ein Grossteil des Fangs wird zu Fischmehl verarbeit. Es werden hauptsächlich Seehechte, Sardellen, Sardinen, Heringe und Makrelen gefangen.

Südafrikas Infrastruktur ist gut ausgebaut und ein relativ dichtes Strassen- und Schienennetz durchzieht das Land. Die staatliche südafrikanische Fluggesellschaft South African Airways fliegt alle Kontinente dieser Welt an. Ausserdem verfügt Südafrika über ein modernes Telekommunikationssystem. Die Energieerzeugung erfolgt fast ausschliesslich durch Wärmekraftwerke, die mit Kohle betrieben werden.

Exportgüter sind Gold, Mineralien, Metalle, Nahrungsmittel, Getränke, chemische Erzeugnisse, Wolle, Edelsteine und Halbedelsteine sowie Rinde der Akazienbäume.

Importgüter sind Maschinen, Transport- und elektronische Ausrüstung, chemische Erzeugnisse, Kunststoffe, Gummi, Papier, Textilien sowie Präzisionsinstrumente.

 

 

 

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